Wie hoch muss ein Balkongeländer sein? Regeln je Land

Wie hoch muss ein Balkongeländer sein? Für die meisten Balkone gilt: 90 Zentimeter bis zu einer Absturzhöhe von 12 Metern, darüber 110 Zentimeter. Ausschlaggebend ist aber nicht die Zahl auf dem Bauplan, sondern die Höhe vom fertigen Boden bis zur Oberkante des Handlaufs. Schon neue Fliesen oder WPC-Dielen können ein passendes Geländer zu niedrig machen. Außerdem setzt jedes Bundesland eigene Details.

Welche Mindesthöhe dein Balkongeländer braucht

Die Musterbauordnung gibt die Richtung vor: Unter 12 Metern Absturzhöhe braucht die Umwehrung mindestens 90 Zentimeter, ab 12 Metern mindestens 110 Zentimeter. Die Absturzhöhe ist der senkrechte Abstand von der begehbaren Fläche zur nächstgelegenen tieferen Ebene. Direkt unter dem Balkon kann also auch ein Vordach oder eine Terrasse die Messstrecke bestimmen.

Die Landesbauordnungen setzen diese Grundwerte unterschiedlich um. Für Wohngebäude nennt auch die DIN 18065 90 Zentimeter bis 12 Meter und 110 Zentimeter darüber. Arbeitsstätten verlangen bis 12 Meter 100 Zentimeter. Für Fensterbrüstungen in Wohngebäuden gelten niedrigere Werte: 80 Zentimeter bis 12 Meter, 90 Zentimeter darüber.

Diese Geländerhöhe gilt in deinem Bundesland

Die Übersicht zeigt typische Mindestmaße für Balkongeländer. Sie ersetzt keine Prüfung der für deinen Fall geltenden Landesbauordnung, macht die wichtigen Abweichungen aber sofort sichtbar.

Bundesland oder Regel Bis 12 m Absturzhöhe Ab 12 m oder Besonderheit
MBO-Grundregel und viele Länder 90 cm 110 cm
Bayern Empfohlen 90 cm ab 0,50 m Absturzhöhe Empfohlen 110 cm; BayBO nennt keine festen Zentimeter
Baden-Württemberg 90 cm unabhängig von der Absturzhöhe 80 cm möglich bei mindestens 20 cm tiefem oberem Abschluss
Hamburg 90 cm 110 cm; bei mindestens 15 cm tiefer Brüstung genügen 80 cm
Nordrhein-Westfalen 90 cm 110 cm; im Mehrfamilienhaus oft 100 cm nach DIN-Praxis

In Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen gilt im Grundsatz ebenfalls die Staffel 90 und 110 Zentimeter. Gerade bei den Öffnungen, Bodenabständen und Sonderformen lohnt sich der Blick in die LBO deines Landes.

So misst du die Höhe richtig nach

Miss lotrecht von der Oberkante des fertigen Bodenbelags bis zur Oberkante des Handlaufs oder der Brüstung. Die Rohdecke zählt nicht. Darin steckt der häufigste Fehler bei einer Sanierung: Ein Geländer wurde ab Rohdecke mit 90 Zentimetern montiert, später kommen 5 bis 8 Zentimeter Bodenaufbau dazu. Übrig bleiben nur 82 bis 85 Zentimeter effektive Höhe.

  1. Lege zuerst fest, wie hoch der fertige Belag wird.
  2. Bestimme die Absturzhöhe bis zur nächstgelegenen tieferen Ebene.
  3. Miss vom fertigen Belag senkrecht zur Oberkante des Handlaufs.
  4. Vergleiche das Ergebnis mit der Vorgabe deines Bundeslands und dem Gebäudetyp.

Ein Geländer montierst du also nicht einfach „auf 90 Zentimeter“, sondern auf die erforderliche Endhöhe nach dem gesamten Bodenaufbau. Bei Eingriffen in die Bausubstanz ist zudem ein statischer Nachweis nötig.

Bei Stäben und Pfosten schützen die kleinen Abstände

Für vertikale Stäbe gilt in den meisten Bundesländern ein lichter Abstand von höchstens 12 Zentimetern. Die 12-cm-Regel soll verhindern, dass ein Kinderkopf zwischen den Stäben stecken bleibt. Beim Abstand zur Bodenfläche ist die Vorgabe oft strenger: Baden-Württemberg, Berlin, Hessen und Hamburg erlauben höchstens 6 Zentimeter, das Saarland 4 Zentimeter.

Auch seitlich zwischen Geländer und zu sichernder Fläche sind vielerorts maximal 6 Zentimeter erlaubt. Für Geländerpfosten gibt es dagegen keine pauschale Zahl, weil die Statik entscheidet. Als Praxiswert soll der Pfostenabstand 1,20 Meter nicht überschreiten; bei aufgesetzten Edelstahlpfosten mit 42,4 × 2,0 Millimetern werden etwa 730 Millimeter genannt, stärkere Pfosten können bis etwa 1.270 Millimeter reichen.

Ein kindersicheres Geländer verhindert den Leitereffekt

Horizontale Stäbe laden zum Klettern ein. Bis zu einer Höhe von 50 Zentimetern, in manchen Ländern 60 Zentimetern, dürfen ihre Abstände deshalb höchstens 2 Zentimeter betragen; darüber sind maximal 12 Zentimeter vorgesehen. Vertikale Stäbe oder geschlossene Füllungen aus Glas oder Lochblech bieten keine Trittflächen und sind die sicherere Wahl.

Stell auch keine Bank, Pflanzenkästen oder andere erkletterbare Gegenstände unter 70 Zentimetern Höhe direkt vor die Brüstung. Ein Abstand von mindestens 50 Zentimetern zwischen Geländer und Möbeln oder Pflanzkübeln reduziert das Risiko deutlich.

Altbau und Sanierung: Wann neue Vorschriften greifen

Ein altes Balkongeländer muss nicht automatisch auf die heutige Mindesthöhe gebracht werden. Regelmäßig schützt der Bestandsschutz bestehende Maße. Das Landgericht Berlin erkannte beispielsweise eine Altbau-Brüstung von 73,5 Zentimetern als ausreichend an. Anders wird es bei wesentlichen baulichen Änderungen.

Erneuerst du den Bodenbelag oder tauschst das Geländer aus, kann der Bestandsschutz für den betroffenen Bereich entfallen. Dann gelten die heutigen Anforderungen der Landesbauordnung. In einer Eigentümergemeinschaft gehört die Balkonbrüstung zwingend zum Gemeinschaftseigentum. In der Mietwohnung kann der Vermieter eine Erhöhung auf aktuelle Standards als Modernisierung behandeln.

Diese Fehler machen ein sicheres Geländer zu niedrig

  • Von der Rohdecke messen: Der spätere Belag frisst mehrere Zentimeter der vorgeschriebenen Höhe.
  • Nur auf 90 Zentimeter schauen: Ab 12 Metern Absturzhöhe sind mindestens 110 Zentimeter nötig.
  • 12 Zentimeter für jede Lücke annehmen: Beim Bodenabstand gelten je nach Land 6 oder sogar 4 Zentimeter.
  • Pfosten nach Gefühl setzen: Die zulässige Spannweite ergibt sich aus der statischen Berechnung.
  • Pflanzkübel als Dekoration abstellen: Direkt an der Brüstung werden sie für Kinder zur Kletterhilfe.

Häufige Fragen

Wann kann auf eine Absturzsicherung verzichtet werden?

Eine Umwehrung ist nicht erforderlich, wenn die Fläche nicht allgemein zum Begehen bestimmt ist oder sie ihrem Zweck widersprechen würde, etwa an einer Verladerampe. Eine ebenerdige Terrasse mit nur wenigen Zentimetern Unterschied zum Garten braucht ebenfalls keine Absturzsicherung. Meist beginnt die Pflicht erst bei mehr als einem Meter Absturzhöhe, in Bayern bereits ab 50 Zentimetern.

Wie hoch muss eine Absturzsicherung mindestens sein?

Für den üblichen Balkon sind 90 Zentimeter bis zu 12 Metern Absturzhöhe und 110 Zentimeter darüber der zentrale Richtwert. Die konkrete Vorschrift kann im Bundesland abweichen.

Wie groß darf der Abstand zwischen den Geländerstäben sein?

Der lichte Abstand zwischen vertikalen Stäben darf in den meisten Ländern maximal 12 Zentimeter betragen. Bei horizontalen Stäben gelten im unteren Bereich bis 50 oder 60 Zentimeter Höhe oft maximal 2 Zentimeter.

Wie weit müssen Geländerpfosten auseinander sein?

Das entscheidet die statische Berechnung der Konstruktion. Als Faustregel aus der Praxis sollten Pfosten nicht weiter als 1,20 Meter auseinanderstehen; Material und Montageart können deutlich kleinere oder größere Abstände erfordern.

Müssen alte Balkongeländer an neue Vorschriften angepasst werden?

Ohne wesentliche Änderung greift im Altbau regelmäßig Bestandsschutz. Bei einer Sanierung mit neuem Bodenbelag oder Geländeraustausch können für den bearbeiteten Bereich die aktuellen gesetzlichen Vorschriften gelten.