Sichtschutz gegen neugierige Nachbarn auf dem Balkon

Ein wirksamer Sichtschutz gegen neugierige Nachbarn auf dem Balkon beginnt mit der Frage, woher die Blicke kommen. Gegen Einblicke von der Straße und von gegenüber reicht oft eine blickdichte Bespannung am Geländer. Wer vom Nachbarbalkon nebenan oder von oben gesehen wird, braucht zusätzlich eine Seitenwand, eine Klemmmarkise oder hohe Kübelpflanzen. Mieter dürfen einen Sichtschutz bis zur Höhe des Handlaufs in der Regel ohne Rückfrage anbringen, solange er dezent ist und nichts gebohrt wird. Alles, was höher reicht oder fest verschraubt wird, sollten Sie vorher mit dem Vermieter klären.

Sichtschutz gegen Nachbarn planen: woher die Blicke kommen

Viele kaufen zuerst eine Bespannung für die ganze Front und stellen dann fest, dass der Nachbar von der Seite trotzdem auf den Esstisch schaut. Nehmen Sie sich deshalb vor dem Kauf zehn Minuten Zeit und setzen Sie sich auf Ihren Lieblingsplatz. Schauen Sie von dort in alle Richtungen und notieren Sie, welche Fenster, Balkone und Wege Sie sehen. Was Sie sehen, sieht umgekehrt auch Sie.

Typisch sind vier Richtungen:

  • Von gegenüber: Fenster und Balkone des Nachbarhauses auf gleicher Höhe. Hier hilft eine durchgehende Bespannung an der Front.
  • Von der Seite: der direkt angrenzende Balkon. Die Blicke kommen aus nächster Nähe, ein niedriger Schutz am Geländer reicht hier selten.
  • Von oben: Balkone und Fenster in höheren Stockwerken. Gegen diese Blicke wirkt nur etwas, das über Ihnen liegt, etwa eine Markise oder ein Sonnenschirm.
  • Von unten: Gehweg, Hof oder Garten. Schon eine Bespannung bis zum Handlauf schirmt diese Blicke meist vollständig ab.

Wiederholen Sie den Test zu der Tageszeit, in der Sie den Balkon am meisten nutzen. Abends ändern sich die Verhältnisse: Ist der Balkon beleuchtet und die Umgebung dunkel, fallen Sie auch hinter einem halbtransparenten Gewebe auf.

Die richtige Höhe für den Sichtschutz

Balkongeländer sind nach den Landesbauordnungen meist 90 cm hoch, bei mehr als 12 m Absturzhöhe 1,10 m. Die genauen Werte hängen vom Bundesland und vom Gebäude ab. Eine Bespannung bis zum Handlauf deckt damit den Bereich ab, in dem Sie sitzend mit Beinen und Oberkörper zu sehen sind. Ihr Kopf ragt auf einem normalen Stuhl allerdings darüber hinaus, denn die Augenhöhe eines sitzenden Erwachsenen liegt bei etwa 1,10 bis 1,20 m.

Dagegen hilft eines von zwei Dingen:

  1. Tiefer sitzen: Mit Loungemöbeln, Sitzsäcken oder einem niedrigen Sofa sinkt Ihre Augenhöhe unter die Kante des Geländers. Die Bespannung bis zum Handlauf schützt dann rundum.
  2. Höher abschirmen: Ein Sichtschutz über dem Handlauf, etwa ein freistehendes Element oder eine Pflanzwand, deckt auch den Kopf ab. Er braucht aber in Mietwohnungen meist die Zustimmung des Vermieters.

Ein Element, das auf dem Balkonboden steht und über das Geländer hinausragt, muss gegen Wind gesichert sein. Ein freistehender Sichtschutz von 1,80 m Höhe kippt bei Böen, wenn er nicht beschwert oder zwischen Boden und Decke verspannt ist.

Seitenwand und Trennwand zum Nachbarbalkon

Am schwierigsten abzuschirmen ist der direkt angrenzende Balkon. Ist dort bereits eine feste Trennwand vorhanden, gehört sie zum Gebäude, und Sie dürfen sie weder durchbohren noch erhöhen. Fehlt eine Trennwand oder ist sie zu niedrig, bleiben Varianten ohne Eingriff in die Bausubstanz:

  • Seitenmarkise mit Standfuß: Ein Tuch wird aus einer Kassette seitlich ausgezogen und an einem Gegenpfosten eingehängt. Varianten mit beschwertem Fuß stehen frei auf dem Balkon.
  • Klemmpfosten mit Bespannung: Zwei Pfosten werden zwischen Boden und Decke verspannt, dazwischen hängt ein Stoff oder eine Rollmatte. Das funktioniert nur bei Balkonen mit Decke.
  • Raumteiler aus Paneelen: Mehrteilige Elemente aus Holz, WPC oder Polyrattan stehen auf Füßen und lassen sich zusammenklappen.

Fest verschraubte Trennwände gelten dagegen als bauliche Veränderung. In Eigentumsanlagen haben Gerichte Eigentümer schon verpflichtet, eigenmächtig errichtete Trennwände auf dem Balkon wieder zu entfernen. Sprechen Sie eine seitliche Lösung am besten auch mit dem Nachbarn ab. Er sieht danach auf Ihre Wand, und ein kurzer Hinweis vermeidet Streit.

Klemmmarkise und Rollo gegen Blicke von oben und gegenüber

Gegen Blicke aus höheren Stockwerken hilft nur ein Schutz über Ihnen. Eine Klemmmarkise wird zwischen Balkonboden und Balkondecke eingespannt und kommt ohne Bohren aus. Verbraucherratgeber, etwa von Rechtsschutzversicherern, nennen sie ausdrücklich als Alternative zur gebohrten Markise in Mietwohnungen. Das ausgefahrene Tuch versperrt den Blick von oben und spendet gleichzeitig Schatten.

Gegen Blicke von gegenüber, die über das Geländer reichen, eignen sich senkrechte Rollos. Sie werden oben an einer Klemmkonstruktion oder unter der Balkondecke befestigt und nach Bedarf heruntergelassen. Tagsüber bleiben sie oben und nehmen keine Aussicht, abends ziehen Sie sie herunter. Für Balkone ohne Decke bleibt der Sonnenschirm mit schwenkbarem Dach: Er lässt sich so neigen, dass er den Blick von oben oder von der Seite abfängt.

Klemmkonstruktionen brauchen eine tragfähige, ebene Decke. Bei Holzdecken, abgehängten Verkleidungen oder sehr hohen Balkonen sollten Sie vorher klären, ob die Klemme dort sicher hält.

Pflanzen als Ergänzung zum Sichtschutz

Pflanzen machen eine harte Kante weicher und decken Höhen ab, die eine Bespannung nicht erreicht. Für einen Sichtschutz, der auch im Winter steht, eignet sich horstbildender Bambus der Gattung Fargesia. Er bildet keine Ausläufer, verträgt Frost und wird im großen Kübel etwa 1,5 bis 2 m hoch. Hohe Ziergräser wie Chinaschilf bilden im Sommer eine dichte Wand, werden im Frühjahr aber zurückgeschnitten und lassen dann einige Wochen lang Lücken.

Planen Sie dafür ausreichend große Gefäße mit mindestens 40 bis 50 Litern Erde, sonst trocknen die Pflanzen im Hochsommer schnell aus. Ein Kübel mit 80 Litern nasser Erde und Pflanze wiegt schnell über 100 kg. Stellen Sie schwere Gefäße deshalb an die Hauswand oder in die Nähe der Auflager, nicht mittig auf eine auskragende Platte. Achten Sie außerdem darauf, dass Gießwasser nicht auf den Balkon unter Ihnen tropft. Untersetzer und ein Abstand zur Brüstung verhindern Ärger mit den Nachbarn darunter.

Was Mieter dürfen und was das Nachbarrecht sagt

Mietervereine und Verbraucherportale sind sich in einem Punkt einig: Ein Sichtschutz bis zur Höhe des Handlaufs, innen am Geländer befestigt und farblich zurückhaltend, gehört zum normalen Gebrauch des Balkons. Ein Sichtschutz, der deutlich darüber hinausragt, verändert die Ansicht der Fassade und braucht in der Regel die Zustimmung des Vermieters. Das gilt auch für alles, wofür Sie in Wand, Decke oder Balkonplatte bohren müssten. Bitten Sie in diesen Fällen schriftlich um Zustimmung und legen Sie Maße, Farbe und Befestigungsart bei.

Das Nachbarrecht der Bundesländer regelt vor allem Zäune, Hecken und Grenzabstände zwischen Grundstücken. Zwischen Wohnungen im selben Haus greift es kaum. Dort zählen Mietvertrag, Hausordnung und bei Eigentumswohnungen die Beschlüsse der Gemeinschaft. Einen Anspruch darauf, in Ihren Balkon hineinsehen zu können, hat der Nachbar nicht. Umgekehrt dürfen Sie nichts an seinem Geländer oder auf seiner Seite befestigen, und Ihr Sichtschutz darf ihn nicht gefährden, etwa durch Teile, die bei Sturm hinüberwehen. Diese Hinweise erklären die übliche Rechtslage und ersetzen keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Wie hoch darf ein Sichtschutz auf dem Balkon sein?

Ohne Rückfrage in der Regel bis zur Höhe des Handlaufs. Alles, was höher reicht, sollten Mieter vorher mit dem Vermieter abstimmen.

Was hilft gegen Blicke vom Nachbarbalkon nebenan?

Eine Seitenmarkise mit Standfuß, eine Bespannung zwischen Klemmpfosten oder ein freistehender Raumteiler. Feste Trennwände brauchen eine Genehmigung.

Darf ich eine Klemmmarkise ohne Erlaubnis aufstellen?

Sie gilt als die bohrfreie Alternative zur Markise. Prüfen Sie trotzdem Mietvertrag und Hausordnung, denn manche Häuser regeln Markisen ausdrücklich.

Welche Pflanzen eignen sich als ganzjähriger Sichtschutz?

Horstbildender Bambus der Gattung Fargesia im großen Kübel. Er bleibt im Winter grün und bildet keine Ausläufer.