Eine Balkonumrandung aus WPC oder Glas ist eine feste Verkleidung: Sie wird verschraubt, wiegt ein Vielfaches einer Stoffbespannung und verändert die Fassade. WPC-Sichtschutzelemente aus dem Baumarkt bringen grob 10 bis 14 Kilogramm je Quadratmeter auf das Geländer, Verbundsicherheitsglas mit zwei 6-Millimeter-Scheiben rund 30 Kilogramm. Mieter brauchen dafür die Zustimmung des Vermieters, Wohnungseigentümer einen Beschluss der Gemeinschaft, und bei Glas als Absturzsicherung ist ein statischer Nachweis üblich.
Feste Verkleidung oder textile Umrandung
Am Anfang steht eine Grundsatzfrage: Soll die Umrandung dauerhaft Teil des Balkons werden oder ein Sichtschutz bleiben, den Sie bei Bedarf wieder abnehmen? Eine textile Umrandung hängt mit Kabelbindern durch Ösen am Geländer, ist in einer Stunde montiert und hinterlässt nach dem Abbau keine Spuren. WPC und Glas werden mit Profilen, Klemmen oder Pfosten verbunden, oft mit Bohrungen in Geländer oder Brüstung.
| Kriterium | Stoff (HDPE, PES) | WPC | Glas (VSG) |
|---|---|---|---|
| Gewicht je m² | unter 1 kg | ca. 10–14 kg | ca. 2,5 kg je mm Glasstärke |
| Montage | Kabelbinder, Schnur | Profile, Schrauben, Pfosten | Klemmhalter oder Profile, Fachbetrieb |
| Rückbau | spurlos | Bohrlöcher bleiben | Bohrlöcher, Halter bleiben |
| Wind | Netzgewebe lässt Wind durch | geschlossene Fläche | geschlossene Fläche |
| Zustimmung nötig | meist nicht, wenn innen und unter Handlaufhöhe | in aller Regel ja | ja, oft zusätzlich Statik |
Balkonumrandung aus WPC: Material und Eigenschaften
WPC steht für Wood Plastic Composite, einen Verbundwerkstoff aus Holzfasern und Kunststoff, häufig Polyethylen. Den genauen Holzanteil nennt das Datenblatt des jeweiligen Herstellers. Das Material splittert nicht und muss nicht gestrichen werden. Nach Herstellerangaben verändert sich die Farbe in den ersten Monaten etwas und bleibt danach weitgehend stabil.
Für die Balkonverkleidung aus WPC gibt es zwei Bauformen. Fertige Elemente mit Aluminiumrahmen in Maßen wie 90 × 180 oder 180 × 180 Zentimetern sind eher für Terrassen gedacht und für ein Balkongeländer meist zu hoch. Am Balkon verbreiteter sind Lamellen oder Paneele, die in Aluminium-Profilen stecken und auf Geländerhöhe zugeschnitten werden.
Gewicht der WPC-Verkleidung
Baumärkte geben für WPC-Sichtschutzelemente von 180 × 180 Zentimetern Gewichte zwischen etwa 33 und 44 Kilogramm an. Das ergibt grob 10 bis 14 Kilogramm je Quadratmeter, je nach Profilstärke und Rahmen. Ein Balkon mit vier Metern Front und einem Meter Höhe trägt damit rund 40 bis 55 Kilogramm zusätzlich, verteilt auf das Geländer. Dazu kommt der Wind, der gegen die geschlossene Fläche drückt. Für welche waagerechte Last ein Wohnhausgeländer bemessen ist, steht im Vergleich von Holz, Bambus und Stoff. Ob ein älteres, dünnes Stabgeländer die Verkleidung samt Windlast sicher trägt, sollte vor der Montage ein Fachbetrieb oder Tragwerksplaner beurteilen.
Pflege von WPC
WPC braucht weder Öl noch Lasur. Für die Reinigung reichen warmes Wasser, eine weiche Bürste und ein milder, lösemittelfreier Reiniger, denn Lösemittel greifen die Oberfläche an. In schattigen, feuchten Lagen kann sich ein grüner Algenbelag bilden. Ratgeber halten dafür auch einen Hochdruckreiniger für vertretbar, aber nur mit niedrigem Druck, Flächenaufsatz und 20 bis 30 Zentimetern Abstand. Aus kurzer Distanz raut der Strahl die Oberfläche auf. Ob und mit welchem Druck Ihr Produkt das verträgt, steht in der Pflegeanleitung des Herstellers.
Balkonumrandung aus Glas: VSG statt ESG
Glas schafft Windschutz, ohne den Blick zu versperren. Satiniertes oder bedrucktes Glas schützt zusätzlich vor Blicken. Am Balkon kommen zwei Glasarten in Frage, die sich im Bruchverhalten grundlegend unterscheiden:
- ESG (Einscheibensicherheitsglas) ist thermisch vorgespannt und zerfällt bei Bruch in kleine, stumpfe Krümel. Nach dem Bruch ist die Fläche offen, ESG hat keine Resttragfähigkeit.
- VSG (Verbundsicherheitsglas) besteht aus mindestens zwei Scheiben mit einer reißfesten Folie dazwischen. Bricht eine Scheibe, halten die Splitter an der Folie, und die Fläche bleibt geschlossen.
Übernimmt das Glas die Funktion der Absturzsicherung, gilt die Norm DIN 18008. Ihr Teil 4 regelt absturzsichernde Verglasungen mit Anforderungen an Stoßsicherheit und Resttragfähigkeit. ESG allein erfüllt diese Anforderungen ohne zusätzlichen Handlauf nicht. Glasstärke und Halterung ergeben sich aus dem Nachweis für die konkrete Einbausituation.
Balkonumrandung aus Glas: Gewicht und Statik
Glas wiegt rund 2,5 Kilogramm je Quadratmeter und Millimeter Stärke. Eine VSG-Scheibe aus 2 × 6 Millimetern kommt damit auf etwa 30 Kilogramm je Quadratmeter, bei 2 × 8 Millimetern sind es rund 40. Auf einer vier Meter langen Brüstung summiert sich das auf über 100 Kilogramm. Weil eine Glasbrüstung außerdem Wind ohne Durchlass aufnimmt, wird die Last fast immer in die Balkonplatte eingeleitet, nicht in ein bestehendes Stabgeländer.
Klares, satiniertes oder bedrucktes Glas
Klarglas schützt nur vor Wind, nicht vor Blicken, und zeigt jeden Wasserfleck. Satiniertes Glas ist auf einer Seite geätzt oder sandgestrahlt, lässt Licht durch und verwischt Umrisse. Eine satinierte Folie in der Verbundschicht von VSG erzielt eine ähnliche Wirkung, ohne dass die Oberfläche Schmutz aufnimmt. Wer nur bis Sitzhöhe Sichtschutz braucht, kann Glas mit einem satinierten Streifen im unteren Bereich wählen und behält oben den freien Blick.
Genehmigung durch Vermieter und Eigentümergemeinschaft
Für Mieter gilt als Faustregel: Ein Sichtschutz, der innen am Geländer sitzt, nicht über den Handlauf ragt, farblich dezent bleibt und sich ohne Schäden entfernen lässt, gilt nach gängiger Rechtsprechung meist als zulässig. Eine verschraubte WPC- oder Glasverkleidung erfüllt diese Punkte selten. Sie greift in die Bausubstanz ein und verändert das Erscheinungsbild des Hauses. Holen Sie deshalb vorher die Zustimmung des Vermieters ein, am besten schriftlich und mit Angaben zu Material, Farbe und Befestigung.
In einer Wohnungseigentümergemeinschaft gehören Geländer und Brüstung meist zum Gemeinschaftseigentum. Eine feste Verkleidung ist dann eine bauliche Veränderung nach § 20 WEG, die vor Baubeginn per Beschluss gestattet werden muss. Ohne Beschluss können die übrigen Eigentümer den Rückbau verlangen. Der Antrag sollte Lage, Material, Farbe und Befestigung genau beschreiben, denn unklar gefasste Beschlüsse sind angreifbar. Ob zusätzlich eine Baugenehmigung nötig ist, richtet sich nach der Landesbauordnung, vor allem wenn eine Glasbrüstung die Absturzsicherung ersetzt. Diese Hinweise erklären die Rechtslage und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Montage: was Sie selbst machen können
WPC-Lamellen in Aluminium-Profilen lassen sich mit handwerklicher Erfahrung selbst montieren. Die Reihenfolge ist meist dieselbe:
- Geländer auf festen Sitz und Korrosion prüfen, Abstände der Pfosten messen.
- Profile oder Pfosten mit Edelstahlschrauben und passenden Klemmen befestigen, keine Bohrungen in Abdichtungsebenen setzen.
- Lamellen ablängen, dabei einige Millimeter Fuge für die Wärmeausdehnung lassen.
- Lamellen einschieben und mit Abschlussprofil sichern.
Eine Glasbrüstung ist Sache eines Fachbetriebs. Die Scheiben werden nach Maß gefertigt, Halter und Glasaufbau müssen zum Nachweis passen, und Bohrungen in der Balkonplatte können Abdichtung und Bewehrung berühren. Wer nur Windschutz an einer Seite möchte, kommt mit einer Balkonumrandung aus Stoff ohne Bohrung und Genehmigung aus. Weitere Lösungen zwischen Stoffbahn und Glaswand stellt der Beitrag mit Ideen für die Balkonumrandung vor.
Häufige Fragen
Wie schwer ist eine Balkonverkleidung aus WPC?
Baumarkt-Elemente wiegen grob 10 bis 14 Kilogramm je Quadratmeter. Bei vier Metern Balkonfront und einem Meter Höhe sind das rund 40 bis 55 Kilogramm.
Darf ich als Mieter eine Glasbrüstung anbringen?
Nur mit Zustimmung des Vermieters. Eine Glasverkleidung wird verschraubt, verändert die Fassade und lässt sich nicht spurlos entfernen.
Reicht ESG für eine Balkonumrandung aus Glas?
Als Absturzsicherung ohne zusätzlichen Handlauf nicht. ESG hat nach dem Bruch keine Resttragfähigkeit, deshalb wird VSG nach DIN 18008-4 verwendet.
Bleicht WPC aus?
Laut Herstellern verändert sich die Farbe in den ersten Monaten etwas und bleibt danach weitgehend stabil. Ein Anstrich ist nicht nötig.





