Als Sonnenschutz auf dem Balkon kommen vor allem vier Lösungen in Frage: Sonnenschirm, Sonnensegel, Klemmmarkise und Senkrechtmarkise. Ohne Bohren funktionieren alle vier, wenn Sie Ständer, Klemmstangen oder Gewichte nutzen. In Mietwohnungen braucht eine Markise, die an Wand oder Decke verschraubt wird, die Zustimmung des Vermieters. Schirm und Klemmlösungen gelten dagegen als normaler Gebrauch des Balkons. Welche Variante passt, hängt davon ab, ob die Sonne von oben oder flach von der Seite kommt, wie windig Ihr Balkon liegt und ob es eine Decke zum Klemmen gibt.
Sonnenschutz für den Balkon: die vier Lösungen im Vergleich
Bevor Sie etwas kaufen, beobachten Sie an einem sonnigen Tag, wann der Balkon in der Sonne liegt. Ein Südbalkon bekommt die Mittagssonne steil von oben. Ein Westbalkon wird am späten Nachmittag von einer tief stehenden Sonne getroffen, die unter jedem Schirm hindurchscheint.
| Lösung | Schützt vor | Befestigung ohne Bohren | Passt zu |
|---|---|---|---|
| Sonnenschirm | Sonne von oben, mit Neigung auch schräg | Ständer oder Geländerhalter | jedem Balkon, auch ohne Decke |
| Sonnensegel | Sonne von oben auf großer Fläche | Klemmstangen, beschwerte Pfosten | breiten Balkonen und Dachterrassen |
| Klemmmarkise | Sonne von oben und vorn | zwischen Boden und Decke gespannt | Balkonen mit fester Decke |
| Senkrechtmarkise | tief stehende Sonne von vorn oder seitlich | an Klemmpfosten oder Klemmmarkise | West- und Ostbalkonen |
Oft ist eine Kombination sinnvoll. Auf einem Westbalkon fängt eine Klemmmarkise die Sonne um 15 Uhr ab, um 19 Uhr hilft nur noch ein senkrechtes Tuch.
Sonnenschirm: Größe, Ständer und Platz
Der Schirm ist die einfachste Lösung, weil er keine Montage braucht und dem Sonnenstand folgt. Auf dem Balkon setzen ihm zwei Dinge Grenzen: der Platz und der Wind. Ein Schirm mit drei Metern Durchmesser überragt bei vielen Balkonen das Geländer und ragt dann in den Luftraum, wo er bei einer Böe wie ein Segel wirkt.
- Größe: Messen Sie die Balkontiefe und rechnen Sie vom Standort des Mastes aus. Steht der Mast mittig auf einem 1,50 m tiefen Balkon, ragt jeder runde Schirm über 1,50 m Durchmesser über die Brüstung hinaus. Ein rechteckiger Balkonschirm, der an der Wand steht, nutzt die Fläche oft besser.
- Ständer: Ratgeber nennen als Faustregel 1 bis 1,5 kg Ständergewicht je 10 cm Schirmdurchmesser. Für einen Schirm bis 2 m sind das 20 bis 25 kg. Ampelschirme mit seitlichem Mast brauchen deutlich mehr.
- Geländerhalter: Eine Halterung, die den Schirmstock am Geländer festklemmt, spart Bodenplatz und Ständergewicht. Das Geländer muss dafür stabil und der Schirm klein genug sein.
Bei aufkommendem Wind und wenn Sie den Balkon verlassen, wird der Schirm geschlossen. Das ist keine Vorsicht aus Prinzip: Ein Schirm, der vom Balkon fällt, kann unten Menschen verletzen, und dafür haften Sie.
Sonnensegel: Spannpunkte, Form und Wind
Ein Segel spendet viel Schatten bei wenig Gewicht. Seine Schwachstelle sind die Spannpunkte. Ein Segel zieht an jeder Ecke mit erheblicher Kraft, und die wächst bei Wind schnell an. Geländerstäbe und Fallrohre sind dafür nicht gemacht.
Spannpunkte ohne Bohren
- Teleskop- oder Klemmstangen zwischen Boden und Decke tragen zwei Ecken an der Balkonkante.
- Pfosten in einem beschwerten Fuß eignen sich für Balkone ohne Decke. Der Fuß muss so schwer sein, dass der Pfosten bei Zug nicht kippt.
- Vorhandene Haken an der Wand nutzen Sie nur, wenn Sie wissen, wofür sie gesetzt wurden und was sie tragen.
Form und Spannung
Dreieckige Segel lassen sich leichter straff spannen, rechteckige decken mehr Fläche ab. Spannen Sie eine Ecke deutlich tiefer als die anderen. Das sieht lebendiger aus, lässt Regen ablaufen und verhindert, dass das Segel bei Wind flattert. Ein flatterndes Segel reißt an den Ösen schneller aus als ein straff gespanntes. Holen Sie es bei Sturmwarnung und über Nacht ein, wenn Wind angesagt ist.
Klemmmarkise und Senkrechtmarkise ohne Bohren
Eine Klemmmarkise steht auf zwei Pfosten, die mit einer Spindel oder Feder zwischen Balkonboden und Decke verspannt werden. Daran sitzt eine Kurbelmarkise mit Tuch, die sich wie eine Wandmarkise ausfahren lässt. Vor dem Kauf prüfen Sie drei Maße: die lichte Höhe vom Boden bis zur Decke, die Balkonbreite zwischen den Pfosten und die gewünschte Ausfallweite. Die Hersteller geben für jedes Modell einen Höhenbereich an, in dem es sicher klemmt.
Die Decke muss tragfähig und eben sein. Unter Holzverkleidungen oder abgehängten Paneelen findet die Klemme keinen sicheren Halt. Legen Sie unter die Fußplatten Gummischeiben, die Fliesen und Anstrich schützen.
Senkrechtmarkise
Eine Senkrechtmarkise, auch Vertikalmarkise genannt, rollt ein Tuch von oben nach unten ab. Sie schützt vor tief stehender Sonne und zugleich vor Blicken. Ohne Bohren hängt sie an einem Klemmpfosten-Gestell oder an der Querstange einer Klemmmarkise. Damit sie im Wind nicht ausschwingt, wird die untere Leiste in Führungen oder an Haken am Geländer gehalten.
Wind und UV-Schutz: Angaben richtig lesen
Windwiderstandsklassen nach DIN EN 13561
Für Markisen gibt es eine eigene Norm, die DIN EN 13561. Hersteller müssen nach ihr prüfen und eine Windwiderstandsklasse angeben:
| Klasse | Windstärke | ungefähre Geschwindigkeit |
|---|---|---|
| 0 | nicht geprüft oder unter Klasse 1 | bei Wind einfahren |
| 1 | Beaufort 4 | etwa 20 bis 27 km/h |
| 2 | Beaufort 5 | etwa 28 bis 37 km/h |
| 3 | Beaufort 6 | etwa 38 bis 48 km/h |
Die Klasse gilt nur bei fachgerechter Montage. Bei Klemmmarkisen hängt viel davon ab, wie fest die Pfosten sitzen. Nehmen Sie die Angabe deshalb als Obergrenze, nicht als Zusage.
UV-Schutz: UPF, EN 13758 und UV-Standard 801
Der UV-Schutzfaktor UPF sagt, wie stark ein Textil die UV-Strahlung abschwächt. Bei UPF 50 kommt rechnerisch ein Fünfzigstel durch. Die europäische Norm EN 13758-2 erlaubt eine Kennzeichnung als UV-Schutztextil erst ab UPF 40 und begrenzt den durchgelassenen UVA-Anteil auf 5 Prozent. Gemessen wird dabei am neuen, trockenen und ungedehnten Stoff. Der UV-Standard 801 geht weiter: Bei Schirmen, Markisen und Segeln wird zusätzlich gedehnt, befeuchtet und bewittert geprüft. Ein Wert nach diesem Standard sagt mehr über den Stoff nach einigen Sommern aus.
Ein hoher UPF schützt nur die Fläche direkt unter dem Tuch. Helle Böden, Wände und Wasserflächen streuen UV-Licht in den Schatten hinein. Kinder brauchen auch unter dem Segel Sonnencreme oder Kleidung.
Mietrecht: was ohne Zustimmung geht
Ein Sonnenschirm im Ständer und eine Klemmmarkise ohne Bohrlöcher gehören nach verbreiteter Auffassung zum vertragsgemäßen Gebrauch des Balkons. Anders ist es, sobald Sie in Fassade, Decke oder Balkonplatte bohren. Dann braucht es die Zustimmung des Vermieters, in Eigentumsanlagen gegebenenfalls einen Beschluss der Gemeinschaft.
Gerichte haben Mietern dabei den Rücken gestärkt. Das Amtsgericht München entschied 2013, dass Schutz vor Sonne auf dem Balkon zum üblichen Wohngebrauch gehört und der Vermieter eine fest montierte Markise nicht ohne sachlichen Grund verweigern darf. Ein Sonnenschirm reiche als Ersatz nicht, weil er nur einen kleinen Bereich von oben abdecke. Das Landgericht Berlin hielt eine Zustimmung ebenfalls für geschuldet, verlangte aber fachgerechte Montage, eine Haftpflichtversicherung und eine Sicherheit für den späteren Rückbau.
So gehen Sie vor, wenn Sie bohren möchten:
- Mietvertrag und Hausordnung auf Regeln zu Markisen und Farben prüfen.
- Schriftlich anfragen, mit Maßen, Tuchfarbe, Befestigungsart und Montagebetrieb.
- Rückbau beim Auszug und eine Haftpflichtversicherung anbieten.
- Bei Ablehnung den örtlichen Mieterverein fragen, bevor Sie etwas montieren.
Diese Hinweise erklären die übliche Rechtslage und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Häufige Fragen
Welcher Sonnenschutz für den Balkon geht ganz ohne Bohren?
Sonnenschirm mit Ständer, Klemmmarkise, Sonnensegel an Klemmstangen und Senkrechtmarkise an Klemmpfosten. Für Klemmlösungen brauchen Sie eine tragfähige Decke.
Darf ich als Mieter eine Markise anbringen?
Mit Zustimmung des Vermieters, wenn gebohrt wird. Er darf sie nach mehreren Urteilen nicht ohne sachlichen Grund verweigern.
Was bedeutet UPF 50+?
Der Stoff lässt höchstens etwa ein Fünfzigstel der UV-Strahlung durch. Aussagekräftiger ist ein Wert, der wie beim UV-Standard 801 auch am gedehnten und nassen Tuch gemessen wurde.
Wie schwer muss der Schirmständer sein?
Als Faustregel 1 bis 1,5 kg je 10 cm Durchmesser, für einen 2-Meter-Schirm also 20 bis 25 kg. Bei Wind trotzdem schließen.





